Joby Warrick: Schwarze Flaggen

Warrick, Joby: Schwarze Flaggen. Der Aufstieg des IS und die USA (Aus dem Amerikanischen von Cornelius Hartz); Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2017; 388 Seiten

Wer kennt nicht den IS und seine Machenschaften? Überall, wo man hinsieht, dreht es sich um den IS und seine Handlanger. Die Berichterstattungen gleichen sich und bald weiß der Zuhörer bzw. Zuschauer oder Leser nicht mehr, wer eigentlich von wem abschreibt. Lange genug sind die Werbesendungen des IS hingenommen worden, ohne dass dagegen eingeschritten wurde. Mittlerweile melden die Nachrichten, dass auch die Hochburg des IS, nämlich die irakische Stadt Mossul im Norden des Iraks eingenommen wurde. Das will aber noch nichts heißen, zumal sie ihre Machenschaften international verteilt haben. Wir dürfen noch mit einigem rechnen, so mich nicht alles täuscht.

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Wie kam es aber zum IS? Neben dem verstorbenen Scholl-Latour, der sich in der Szene sehr gut auskannte, hat mich bislang noch kein anderer Autor so überzeugt, wie Joby Warrick, ein Journalist der Washington Post. Durch langwierige und detaillierte Recherchen ging er der Rolle der USA bei der Entstehung der IS nach. Herausgekommen ist ein Buch, das sich spannend liest und dennoch sehr ausgewogen die Hintergründe schildert, die zur Entstehung des IS führten. Das Buch, das den Pulitzer-Preis gewann, schließt mit einem Nachwort, den Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln sowie einem Register, um die einzelnen Stellen leichter zu finden.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte von dem, was zu einer der tragischsten Vorgänge auf der politischen-religiösen Bühne des angehenden 21. Jahrhunderts führte, der liest dieses Buch am besten selbst. Für mich bleibt es immer wieder ein Buch, das ich gerne wieder hervorhole, wenn es um den IS geht.

Die Experten, die die Profile der neun Täter (des Pariser Anschlags) untersuchten, bescheinigten dem IS eine geradezu geniale Rekrutierungsstrategie. Die alte Erfolg versprechende Formel aus Zarqawis Zeit – gewalttätige junge Männer in noch gewalttätigere junge Dschihadisten zu verwandeln – funktionierte bei den neuen europäischen Rekruten des IS ganz ausgezeichnet. Alain Grignard, einer der für Terrorismusbekämpfung zuständigen belgischen Beamten, glaubt, dass Jugendliche, die in Stadtvierteln mit hohem Migrantenanteil und ausgeprägten Bandenstrukturen aufwachsen, ganz instinktiv den Zusammenhang zwischen Respekt und Furcht verstehen. Der IS bedient sich derselben Codes wie die Gangsterbanden, und zugleich bietet er seinen jungen Rekruten etwas, das die meisten von ihnen zu Hause niemals hatten. ‚Da drüben in Syrien haben sie endlich einmal das Gefühl, dass sie jemand sind‘, so Grignard. ‚Wenn dir da jemand in die Quere kommt, kriegt er kurzerhand eine Kugel in den Kopf. Der Islamische Staat nimmt das Credo der Straßengewalt und legitimiert es.

(S. 363)

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