Mein Besuch in Kerman

Für viele meiner Freunde kam die Nachricht überraschend, als ich ihnen zu Beginn des Sommers mitteilte, in die Provinz Kerman zu reisen und die Gegend zu bekunden. Überraschend deshalb, weil Kerman berühmt ist für seine Wüstengebiete und sein heißes Klima. Dennoch wollte ich gehen und sehen, was es dort an Sehenswürdigkeiten abseits des Mainstreams gibt. Ich hatte eine frisch gegründete Touristikfirma entdeckt, die mir das Angebot machte, Kerman neu mit ihren Augen zu sehen. Ich habe es angenommen. Was dabei herauskam, werde ich in einem der nächsten Einträge oder einem Link dazu mitteilen. / 4. Juni 2017

Laura Secor: Children of Paradise

Secor, Laura: Children of Paradise. The Struggle for the Soul of Iran. New York: Riverhead Books, 2016. (Electronic Edition)

Ein Buch, auf das mich ein bekannter deutscher Verleger aufmerksam gemacht hat. Er hatte sich Gedanken gemacht, ob er die Übersetzungsrechte dieses Buches einfordern sollte. Ich habe es ohne sein Wissen gelesen, um ihn damit zu überraschen. Es ist ein interessant geschriebenes Buch über die politische Lage in Iran, vor allem, wie die jetzige Regierung mit der Jugend umgeht. Jedes Thema ist aus der Sicht von Beteiligten geschrieben, was das Buch sehr interessant werden lässt. Bei aller Sympathie, die ich für das Buch hege und auch für die darin angesprochenen Probleme, wünschte ich mir dennoch eine etwas distanziertere Betrachtung.

Der Autor ergreift Partei für die Belange derjenigen Menschen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen. Die meisten Länder, die sich im Mittleren und Nahen Osten für eine demokratische oder republikanische Regierungsform entschieden haben, haben Mühe, das Phänomen der Opposition richtig einzuordnen. Dass es dennoch geht, zeigt dieses Buch, das ebenfalls nur reifen Lesern zu empfehlen ist, allerdings erleichtert auch hier eine Bibliografie sowie ein Schlagwort- und Personenregister das Auffinden wichtiger Passagen. Wer nicht Gefahr laufen möchte, über Iran nur pauschal zu urteilen, dem sei dieses Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Für eine Übersetzung wünsche ich mir eine knappere Ausgabe des Originals und vielleicht ein Nach- oder Vorwort, das das Buch in das alltägliche Geschehen in Iran einordnet. Auf jeden Fall zeigt das Buch die Wege, wie Opposition im Land betrieben werden kann, ohne gleich militant zu werden. Beileibe keine leichte Aufgabe. / Zürich und Teheran, im Januar

Aus dem Vorwort der Schluss:  What follows is not the history of the Islamic Republic of Iran. That would be presumptuous if not impossible for a foreign reporter to write. This is a book about real people, some more famous or more admirable than others, but people whose complex and imperfect lives illuminate the passages through which they’ve traveled. There are no American protagonists and no American policy prescriptions. It is a book about Iranians, and it is a history – a hidden history, for the most part, of a powerful and protean current in the political and intellectual life of a nation.

Dämmerung

Hiermit beginne ich einen neuen Abschnitt in meinem Leben. Wie viele es bereits vor mir getan haben, möchte ich nun auch sprechen bzw. schreiben. Die Postmoderne hat uns ja dazu verdammt, dass wir alle reden, weil angeblich alle eine Geschichte zu erzählen hätten. Wie aus diesen Geschichten einmal die Geschichte werden soll, bleibt ein Rätsel. Damals warf ich schon ein: Und wer hört hier eigentlich zu? Wenn alle reden, wo alle sprechen, da braucht es doch auch Zuhörer. Oder ist dies die Eliminierung des Zuhörers bzw. des Zuhörens?
Seit 1996 habe ich immer eine private Homepage gehalten. Durch meinen Wegzug nach Iran ist die Pflege der Seite mehr als nur vernachlässigt worden. In der Zwischenzeit hat sich das Internet sich selbst so revolutioniert, dass viele Angewohnheiten obsolet wurden. Nirgends zeigt sich der Wandel der Zeit so sichtbar wie im Internet. Und wer nicht zum alten Eisen gehören möchte, der hat sich gefälligst anzupassen. Dies hält übrigens auch jung. Darum mische ich so lange mit, wie ich kann.
Mein einziges Bedenken war und ist die sogenannte breite Öffentlichkeit. Während vor dem Internet die Öffentlichkeit einigermaßen überschaubar blieb – auch wenn das Rauschen im Blätterwald ungeahnte Züge einnehmen konnte -, so ist es seit dem Aufkommen von Foren und Plattformen wie Facebook oder Google+ mit der Überschaubarkeit vorbei. Wir sind nicht einmal mehr Herr über unsere eigenen Daten. Täuschungen, Diebstähle geistigen Eigentums, Plagiate und andere Möglichkeiten der Fälschung und Bearbeitung authentischer Daten sowie Fotos sind Tür und Tor geöffnet. Die Technik hinkt ein wenig hinterher, wie solchen Missständen das Handwerk gelegt werden könnte. Doch bin ich zuversichtlich, dass auch hier bald wie im Leben sonst Ordnung und Gesetz einkehren werden.

Trotz dieser Bedenken habe ich mich entschlossen, hier einen Neuanfang zu wagen. In der Hoffnung, dass diese Zeilen die Menschen erreicht, die sich dafür interessieren und ebenfalls die Schwingungen des Schreibers spüren. Es geht mir nicht darum, besonders klug da zu stehen, sondern eher darum, Anregung zu sein und Beispiel. Um zu schreiben, muss ich vorher zugehört zu haben.

Zürich, im Juli 2017

2014-05-17 05.45.04
Morgendämmerung über dem Vierwaldstätter-See