Der Weg zum Studium

Der Weg zum Studium
Ohne Worte.

Immer wieder wurde über dieses leidige Thema gesprochen, diskutiert und geschrieben. Es ist und bleibt das brisanteste Thema aller Zeiten. Nicht nur damals, als ich studierte, sondern auch heute wieder spüre ich dies an allen Ecken und Enden. Die Bildung bleibt ein Privileg von finanziell besser gestellten Studierenden.

Die vielen Stipendien und Hilfen aus Stiftungen werden in der Regel nur denjenigen vergeben, die sich in ihren Leistungen entsprechend ausweisen können. Dabei wird oftmals vergessen, dass diese sich zuerst das Rüstzeug erlernen müssen, was hier gerade in den Eignungstests vorausgesetzt wird. Schulbildung bleibt ein Filter, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Hier wird entschieden, wer es später in die höchsten Höhen der Chefsetagen schafft. Bildung für alle? Welche Bildung denn? Die Kriterien für eine Bildung werden bereits im Vorfeld entschieden. Sie sind nach dem sogenannten Bildungsbürgertum ausgerichtet, das durch seine Herkunft bereits im Vorteil ist. Ich möchte hier nicht auf die vielen Belege hinweisen, die immer wieder gebracht wurden, wenn es um den sogenannten elaborierten Code geht. Diese von Bernstein aufgestelle Hypothese (auch Defizithypothese genannt) hat sich über die Jahre leider bewahrheitet.

Dies ganz unabhängig davon, dass unsere moderne Gesellschaft ohne Bildung gar nicht mehr existenzfähig sein wird. Doch immer mehr wird deutlich, wie durch die Technologie der Mensch vom Joch der routinierten Arbeit befreit wird. Wir haben nach der industriellen Revolotion bereits mehrere weitere Revolutionen durchlebt, die jedes Mal daran zu erkennen sind, dass Millionen von Arbeitsplätzen durch die Technik ersetzt wird. Doch das ist ein anderer Gedankenstrang, den ich hier nur antönen wollte.

Mir fällt nun auf, dass sich das Sprachniveau, von dem Bernstein ja ausgeht und die sich auf die Sapir-Whorf-Hypothese beruft, dass Sprache nämlich das Denken forme – die ursprünglich von Wilhelm v. Humboldt vorweggenommen wurde –, dass sich also das Sprachniveau immer mehr angeglichen hat. Dies hat die Verbreitung der Sprache über moderne Kommunikationsmittel und -technologien ermöglicht. Über Fernsehen, Sateliten und dem Internet natürlich hat nun jeder die Möglichkeit, auf die Sprache der Bildungsbürger zuzugreifen und sich damit auch selbst weiterzubilden. Nachtigall ick hör dir trapsen!

Hatte nicht seinerseits Ivan Illich in seiner Streitschrift „Die Entschulung der Gesellschaft“ dies nicht nur gefordert, sondern auch vorausgesehen?! Heute sind wir bereits soweit, dass die Schule nicht mehr der (H)Ort ist, um sich Wissen anzueignen. Die Lehrer sind schon längst damit überfordert. Und je länger, je mehr wird deutlich, welche Machtfunktion sie ausüben. Die unterschiedlichen Funktionen, die die Schule bislang ausgeübt hat und immer noch auszuführen hat, wie zum Beispiel die qualitative, selektive und integrative Funktion – übrigens alle und noch viele mehr von dem verstorbenen Kollegen und Freund Theodor Ballauff in seinem exzellenten und bislang unübertroffenen Buch „Die Funktionen der Schule“ zusammengetragen und kommentiert –, lassen sich auf verschiedenen Ebenen nachvollziehen und auch auflisten. Warum sich die Bildungspolitiker angesichts der Herausforderung durch die virtuellen Medien immer noch nicht auf ein neues Bildungswesen einigen können, ganz zu schweigen ein solches allererst zu entwerfen, bleibt mir ein Rätsel. Die Bielefelder Laborschule eines Hartmut von Hentig kommt dagegen geradezu altbacken daher, obwohl sie heute noch weiter betrieben wird. Als Pionier und Vordenker einer ganzen Generation sollte er dennoch wieder gelesen werden. Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere dort Ideen, wo er sie nicht vermutet hätte.
/ Zürich, 20.07.2017